Das besondere Wort: Blut (Das Vampirgen)

In der Reihe das besondere Wort in Buchzitaten:

Blut


Nach der schmerzhaften Verwandlung und der grausamen Erkenntnis, dass ich nun ganz alleine war, streifte ich durch die Gegenden von London. Wie ein Bettler dürfte ich ausgesehen haben. Meine Hose mittlerweile steif vor Schmutz, eine löchrige Mütze auf dem Kopf, verfilzte Haare, eine alte Umhängetasche um meine Schultern. Ich war nicht mehr in meine alte Wohnung zurückgekehrt, wollte einfach verschwinden. Natürlich bemerkte ich, dass ich mich veränderte. Ich war schnell, konnte gut sehen und hören, war stark. Langsam begann ich, auch Durst zu bekommen, Durst nach Blut, nach Menschenblut. Bisher unterdrückte ich es, das Monster in mir, den Vampir, doch bald würde ich es nicht mehr aushalten. Deshalb versuchte ich, den Menschen aus dem Weg zu gehen, denn bald würde ich es nicht mehr aushalten können. Jedes Mal, wenn ich nur im Entferntesten Blut roch, verkrampften sich mein Kiefer und meine Muskeln, meine Hände ballten sich immer zu Fäusten. Ich stellte immer wieder entsetzt fest, dass meine Eckzähne ständig stärker und spitzer wurden, wenn ich nur an Blut dachte. Das Ganze laugte mich von Tag zu Tag mehr aus und ich wusste, dass ich Blut brauchte, sonst würde ich sterben. Ich wurde immer schwächer und der Vampir, der in mir wohnte, immer stärker, mir war klar, dass bald der Moment kommen würde, in dem ich nicht mehr stark genug war. Davor hatte ich schreckliche Angst, doch der Vampir in mir wartete schon sehnsüchtig auf den Moment, in dem ich mich kampflos ergeben würde. Und es sollte schon bald so weit sein. Da ich noch kein richtiger Vampir war, sondern noch in der Verwandlung, machten mir bisher Tag und Nacht nicht viel aus, davon abgesehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der Urgeschichte und den Flüchen wusste. Ich merkte nur, dass meine Augen im Sonnenlicht, da ich nun viel besser sehen konnte, sehr schmerzten. Also hielt ich mich fast nur noch nachts im Freien auf, das mochte ich ohnehin mehr, da zu dieser Zeit kaum eine Menschenseele durch die verlassenen und zugegebenermaßen gruseligen Gassen von London streifte. Und dann kam der Tag oder besser gesagt die eine Nacht, in der ich erst richtig anfing, mich zu hassen.

Ich sah, dass es ihm sehr schwerfiel, davon zu berichten, ich wollte seine Hand nehmen, ließ es dann jedoch bleiben.


Das besondere Wort Blut kommt in dem Vampirroman Das Vampirgen von Lena Wagner 53 mal vor.


Das Vampirgen Lena Wagner