Das besondere Wort: Heimat (Amra und Amir – Abschiebung in eine unbekannte Heimat)

In der Reihe das besondere Wort in Buchzitaten:

Heimat


Amras Erstarrung löste sich erst, als das Flugzeug ziemlich
unsanft zur Landung ansetzte. Ihre Ohren begannen zu
schmerzen und der Schmerz holte sie zurück in die Realität.

Amra sah aus dem Fenster. Das da unten war also der
Kosovo, war das, was die Ausländerbehörde ihre Heimat
nannte. Dabei war sie doch genau wie die jungen Polizistinnen,
die sie ins Flugzeug gebracht hatten, in Deutschland
geboren und dort zu Hause. Noch nie war Amra im
Kosovo gewesen und sie überlegte verzweifelt, was sie tun
sollte, wenn sie das Flugzeug verlassen musste. Wohin
sollte sie gehen, wo sollte sie wohnen, wovon sollte sie sich
Essen und Kleider kaufen? Sie hatten versäumt, auch Plan
C durchzusprechen: überleben – allein im unbekannten
Gebiet.

Sie hatten nicht damit gerechnet, dass es so weit kommen
würde, jedenfalls nicht so schnell, und nun war es zu spät.
Jetzt musste sie handeln, ohne zu wissen wie.

Amra wühlte in ihren Taschen, wollte Inventur machen
– was hatte sie bei sich, auf welcher Basis würde sie
ihr neues Leben beginnen müssen? Sie erinnerte sich,
dass im Gepäckfach über ihr der Rucksack verstaut war.
Sie hatte schon vor Tagen begonnen, für Plan B zu packen,
aber als sie den Rucksack zuletzt sah, war er wirklich
vollgestopft gewesen. Vermutlich hatte Ma‑am noch
schnell ein paar zusätzliche Klamotten hineingesteckt,
bevor sie aus der Wohnung geführt wurde. Amra erschrak.
Sie hatte keinen Schlafsack. Der war bereits im
Bulli verstaut.


Das besondere Wort Heimat kommt in dem Roman Amra und Amir – Abschiebung in eine unbekannte Heimat von Maria Braig 13 mal vor.


Amra und Amir