Das besondere Wort: Meer (Aus Liebe zum Meer – eine maritime Anthologie)

In der Reihe das besondere Wort in Buchzitaten:

Meer


Die Eichentür öffnete sich mit einem Knarren. Stürmischer Wind blies, begleitet von einem lauten Tosen, einige Pappelblätter herein. Kurz lichtete ein Schwall eisiger Luft den rauchgeschwängerten Nebel im »Anker«, bevor er sich wieder zu einer zähen Masse verdichtete und mit Bierdunst mischte.

Der alte Hansen stopfte ungerührt seine Pfeife und drehte nicht den Kopf, um zu sehen, wer kam oder ging. Wozu auch? Seit er dazu verdammt war, sein Leben an Land zu verbringen, interessierten ihn nur noch der Tabak und der steife Grog, der Leben in seine müden Glieder brachte – wenn auch nur kurzfristig. Beides hatte ihm dieser Quacksalber ebenfalls verbieten wollen, doch alles ließ er sich nicht nehmen. Nie wäre er dorthin gegangen, wenn dieses dumme, alte Herz nicht gestreikt und sie ihn nicht dorthin geschleppt hätten. Die angeblichen Freunde, die es gut mit ihm meinten und ihm verbaten, wieder aufs Meer hinauszufahren, wo er hingehörte. Was wussten die schon?

Müde strich er sich über die Augen, die schwieligen Finger kratzten auf seinen Wangenknochen – die letzten Zeugen von salzverkrusteten Tampen, die zeitlebens durch seine Hände gelaufen waren. Doch auch die Schwielen weichten so langsam auf.


Das besondere Wort Meer kommt in der Anthologie Aus Liebe zum Meer – eine maritime Anthologie, zugunsten der Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger herausgegeben von Brina Stein , 63 mal vor.


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