Das besondere Wort: Vater (Freundschaftspiel)

In der Reihe das besondere Wort in Buchzitaten:

Vater


„Seid ihr etwa Schriftsteller?“

Hendrix war sich nicht sicher, ob er in dieser Frage Spott mitschwingen
hörte. Gewundert hätte es ihn sicher nicht, denn
das war er von seinen Eltern gewohnt. Sein Vater nannte den
Schwiegervater sogar Schreiberling, freilich nicht in Dieters
Beisein.

„Mein Großvater ist es. Ich will es mal werden“, bekannte
Hendrix.

„Und wie heißt dein Großvater?“, erkundigte sich das Mädchen.
Nein, sie klang nicht spöttisch. Ihr Interesse wirkte echt,
was Hendrix erleichterte.

„Kennst du bestimmt nicht. Dieter Lange.“

„Wohl kenne ich den!“, versetzte das Mädchen. „Von dem
haben wir mehrere Bücher in unserem Laden. Warte mal, eines
heißt … Erdbeben … oder so ähnlich.“

Hendrix nickte. Es war das erste Mal, dass er auf einen Menschen
traf, der seinen Großvater als Schriftsteller kannte. Vor
Stolz errötete er. Vielleicht aber auch, weil er sich dabei ertappte,
auf die Brüste des Mädchens gestiert zu haben, was sie freilich
merkte und ihre Arme verschränkte.

„Wahnsinn!“, begeisterte sich das Mädchen. „Und Dieter
Lange schreibt jetzt über mich eine Geschichte?“

„Ja, vielleicht. Aber nur so. Ist wirklich nur ein Spiel. Er kennt
nämlich den Typ, der da drüben wohnt, und deshalb ist er neugierig,
was du bei dem willst.“

„Okay, ich erzähle es dir. Mein Bus kommt nämlich erst in
einer Viertelstunde; so wird mir wenigstens nicht langweilig …“

Hendrix wandte sich um und suchte in der Ferne das Fenster
der Pension „Heideglück“, hinter dem sein Großvater jetzt
vermutlich mit dem Fernglas die Szene beobachtete. Hendrix
präsentierte ihm die offenen Handflächen: eine pantomimische
Darstellung seiner Machtlosigkeit.


Das besondere Wort Vater kommt in dem Roman Freundschaftspiel von Christian Oelemann 43 mal vor.


Freundschaftspiel