Seite 20: Sehnsucht die mich trägt

Seite 20

Bis heute. Was auch
immer geschieht, ich vertraue auf ihn – Gott den
Allmächtigen. Einer seiner Engel wollte ich eines
Tages werden, gemeinsam mit Moni, wie alle meine
Cousine nannten. Unzertrennliche Engel – voller
Freude und Spaß. Bekleidet mit wunderschönen
luftigen weißen Kleidchen und sauberen, zarten
Flügeln. Traumhaft schön. Doch bis dahin würde
es dauern. Das war mir durchaus bewusst. So übte
ich mich in Geduld und verspürte diese Sehnsucht
nach dem Engelwerden, gemeinsam mit Moni. Ich
träumte mit ihr zu fliegen…über und durch die
Wolken hindurch, mit ihr gemeinsam zu essen und
zu schlafen, mit ihr zu spielen und zu lachen und
ich fragte mich, ob der liebe Gott es wohl gleich
merken würde, wenn wir in seinem Himmel etwas
anstellten? Werden Engel auch bestraft? Wenn ja –
wie? Mit solchen Gedanken versank ich regelrecht
in meine eigene Fantasiewelt. Moni war darin immer
der schönste Engel an meiner Seite.
Bevor sie jedoch Engel werden konnte, die liebe
Monika, musste sie erst einmal im realen Leben
an Opas Hund Rex vorbei – oft in Todesangst.
Der hatte im Hof viel Platz, bewohnte eine schicke
Hundehütte und die lange Kette, mit der er vor seiner
Hütte angebunden war, ließ ihm den Freiraum
bis zum kleinen Gehweg, der hinten in die Küche
führte. Wollte man dort hin, musste man an ihm
vorbei.


Seite 20 aus dem biografischen Buch Sehnsucht die mich trägt von Christine Schleifer.

Sehnsucht die mich trägt