Seite 20: Alles für ein bisschen Liebe?

Seite 20

Wir leben in einer Zeit, in der die meisten
Beziehungen von kurzer Dauer sind und viele Ehen
auseinanderbrechen. Aus Angst vor Einsamkeit und
Verlust von Sicherheit harren viele aber auch ewig in ihrer
unglücklichen Ehe aus. Welche Ehe ist schon glücklich?
Auch das sind Anzeichen dafür, dass die meisten von uns
leider nicht bedingungslose Liebe, sondern abhängige
Liebe als Basis der Beziehung gewählt haben. Was
heißt gewählt? Sie kennen keine wirkliche Alternative!
Bedingungslose Liebe mutet da eher wie ein abgehobenes
Fremdwort an. Wir lieben nicht abhängig oder
bedingungslos, wir lieben einfach, so wie alle anderen –
denken wir. Kunststück, denn so einfach ist das mit der
wahren Liebe nun mal nicht.

Wir sind weder mit einer Gebrauchsanweisung auf die
Welt gekommen wie man liebt, noch hatten die meisten
von uns Eltern, die uns eine solche Liebe vorgelebt oder
gezeigt haben. Und wenn doch, haben wir diese Liebe
vielleicht frühzeitig verloren und suchen jetzt in jedem
potentiellen Partner unbewusst nach ihr. Woher also sollen
wir das Talent zur bedingungslosen Liebe haben?

Doch zum Glück sind wir lernfähig, und die vielen
Enttäuschungen und gescheiterten Beziehungen sind
nicht einfach nur nutzlose Verletzungen gewesen, sondern
wichtige Lektionen. Jede Beziehung trägt ein enormes
Potential für die Entwicklung der Partner in sich. Ken
Keyes, ein beeindruckender Erwecker in Sachen Liebe,
sagt dazu: „Bedingungslose Liebe bedeutet zu lernen, die
Person und das Problem voneinander zu trennen. Lieben
Sie die Person; arbeiten Sie an dem Problem.“


Seite 20 aus dem Ratgeber Alles für ein bisschen Liebe? von Julia Kathan.


Alles für ein bisschen Liebe Julia Kathan