Seite 20: Das Vampirgen

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Plötzlich knurrte mein Magen, ich ging zum Kühlschrank und holte mir ein Ei heraus. Daraus bereitete ich mir ein Spiegelei zu, schön durch, aber innen noch flüssig, so wie ich es liebte.
Als ich aus dem Fenster in die Sonne sah, wusste ich auch schon, was ich direkt nach dem Frühstück machen würde. Schnell schlang ich mein Ei und meinen Orangensaft hinunter, nahm mir ein großes Handtuch und zog meine Flipflops an. So ging ich hinaus in die Sonne.
Ich wusste nicht genau, wie spät es war, doch ich vermutete, so gegen zehn Uhr. Ich ging einmal ums Haus in den Garten bis zu unserem Zaun, blickte über ihn und sah hinunter zu unserem kleinen Strand an den Klippen. Ja, man könnte sagen, dass es unserer war, denn es war eine kleine Bucht, zu der man nur kommen konnte, wenn man durch unseren Garten ging oder aber hinschwamm. Doch dorthin verirrten sich nur wenige.
Ich öffnete das Tor und ging die steilen, steinernen Stufen hinunter. Unten am Strand angekommen, hörte ich das Meer rauschen. Schnell zog ich meine Flipflops aus, öffnete meinen Bademantel und ließ ihn zu Boden fallen. Dabei hatte ich keine Scheu, nackt hier zu stehen, denn, wie gesagt, außer mir war keine Menschenseele hier. Ich schloss die Augen und widmete mich ganz der Natur, fühlte weichen und warmen Sand unter meinen Füßen, kühlen Wind auf meinem Körper, hörte das Wasser rauschen und Vögel zwitschern, roch Salz und Frühling.
Ich ging ein paar Schritte zum Wasser, bis es meine Zehenspitzen berührte. Es war schön kühl und ein kleiner Schauer durchfuhr mich. Ohne weiter abzuwarten, lief ich einfach hinein. Ich tauchte einmal kurz ein und kam wieder hoch. Dann musste ich auf einmal laut auflachen, so frei fühlte ich mich. Ich tanzte durch das Wasser und dann, nachdem ich mich beruhigt hatte, schwamm ich bis zu einer Boje. Es war einfach wundervoll, wie das Wasser meinen Körper berührte, als ob es mich sanft streicheln würde. Schließlich legte ich mich auf den Rücken und ließ mich zurück zum Strand treiben.
Nach einer Weile fühlte ich wieder Sand unter meinen Füßen und bemerkte, dass die Sonne schon viel höher stand.


Seite 20 aus dem Vampir-Roman Das Vampirgen von Lena Wagner.

Das Vampirgen Lena Wagner