Seite 20: Die Alchimar – Mitten im Leben

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Wenn ihr mich fragt, läuft da was gewaltig schief in der Politik.« Sophie
nickte zustimmend. »Ich sehe das ähnlich wie du. Wir haben
momentan eine Schwemme an Patienten, die nicht mal mehr
krankenversichert sind. Behandelt werden sie trotzdem, aber
auf den Kosten bleibt die Klinik meistens sitzen.«
Maja gingen solche Gespräche auf die Nerven. Nicht, dass
sie das Schicksal anderer nicht interessieren würde, ganz im
Gegenteil. Aber sie wurde hin und wieder von Schuldgefühlen
gequält, weil sie das Gefühl hatte, selbst nicht genug zu tun, um
die Dinge in eine andere Richtung zu lenken. Sie hatte ihr ganzes
Leben dafür gekämpft, die Menschen in ihrem Umfeld dazu
zu bewegen, ihr Leben und ihre Motive zu überdenken. Trotzdem
blieb auch ihr nicht verborgen, wie sich die derzeitige Lage
in ihrem Land entwickelte. Und nicht nur das, sie wusste von
den anderen Alchimar, dass es ein globales Problem war. Die
Wirtschaft war ins Wanken geraten und den Menschen ging es
immer schlechter. In unzähligen Ländern kam es zu Unruhen
und Ausschreitungen, die sich wie ein Flächenbrand ausbreiteten.
Sie seufzte leise und rieb sich die müden Augen.
»Maja, was meinst du dazu?« Erschrocken blickte sie auf. Kim
beobachtete sie abwartend. »Ich habe nicht zugehört«, gab Maja
kleinlaut zu. Ihre beste Freundin lächelte sie milde an. »Bei solchen
Themen schaltest du ja immer auf Durchzug.« Schuldbewusst
zuckte die Angesprochene mit den Schultern.
Es ist kein Geheimnis, dass ich mich nicht gerne mit diesem
Thema befasse, ja.« Sie grinste Kim schief an. »Manchmal sehne
ich mich nach der Zeit zurück, als wir uns noch Sorgen darum
gemacht haben, ob wir unsere Hausaufgaben rechtzeitig abschreiben
können.«
Mit einem Satz hatte Maja die trübe Stimmung gelöst. Mark
strich Kim liebevoll über den Rücken. »Oh ja, das waren noch
Zeiten. Wisst ihr noch, wie Ben damals im Sport den großen
Macker raushängen lassen wollte, um Maja zu imponieren, und
dabei über seine eigenen Füße gestolpert ist?« Alle lachten und
der Abend war gerettet. Bis tief in die Nacht hinein schwelgten
sie in Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend. Mehr als ein-
mal wurde Maja bewusst, was für ein riesiges Glück sie hatte,
dass sie ihr Leben mit den Menschen teilen konnte, die sie von
klein auf begleitet hatten.


Seite 20 aus dem spirituellen Fantasy-Roman Die Alchimar – Mitten im Leben von Natalie Jakobi.

Alchimar Mitten im Leben