Seite 20: Die Nacht trägt Flutsplitter aus Malachit

Seite 20

MEER

Am Anfang war dein Wort
gesalzen wie fish & chips.
Wir stehen neben dem Wind,
losgelöst von Haut und Knochen.
Wir schwanken, pendeln uns ein
in unsere Arme.
Unsere feuchtwarmen Münder,
mazeriert vom Regen, frösteln
der Nacht entgegen.

(Marina Maggio)

SPRACHMOSAIKEINSAM

Wirf dein Gesicht in den Raum und sieh zu,
ob der Aufprall ein Echo erzeugt, ein Knacken
im Blick der Anderen, wenn sie den Kopf
heben und dich als Scherbe erkennen, eine
der Ihren, wie eine grob herausgelöste
Rippe, mit diesen ausgefransten Schnittstellen
zur Sprache hin. Rohmaterial,
das sich noch kauen, brechen, verdauen
lassen muss, bevor es dir die Hautoberfläche
an den richtigen
Momenten einschneidet. Die Linien
sind dann wie Kreuzstiche,
die sich am Alphabet entlang
durch die Nacht tasten, immer
einen Schritt neben dem Abgrund
suchst du nach der Lücke, dieser
Einen, die das Sprechen ausmacht, diese
Eine, die du mit deinem Mund
auf den Boden geworfen hast, diese eine
Silbe, nach der sich irgendwann
einmal Jemand bückt.

(Natascha Huber)


Seite 20 aus dem Lyrikband Die Nacht trägt Flutsplitter aus Malachit von Natascha Huber und Marina Maggio.
Malachit