Seite 20: Erwachsen wird man nur im Diesseits

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Auf Vortragsreisen erlebe ich immer wieder, dass das interessierte Publikum Texte von mir nachlesen möchte. So entstand die Idee dieser Textsammlung. Der Titel „Erwachsen wird man nur im Diesseits“ betrifft meinen persönlichen Entwicklungsprozess im Kontext meiner Biographie.

Erwachsen sein ist zwar ein vielfältig definierbarer Begriff, aber im Kern des Erwachsenseins, so wage ich zu behaupten, steht für jeden das Erlangen einer Verantwortung für sich selbst, um seine Freuden und Sorgen mit anderen teilen zu können und nicht etwa andere dafür verantwortlich machen zu müssen. Erwachsensein bedeutet für mich, das permanente Streben nach einer Reife, die zu Selbstverantwortung und größtmöglicher Unabhängigkeit führt. Einen Erwachsenen macht aus, dass er seine Probleme ernst nehmen und nach Ursachen forschen kann. Bei der Vielfalt an Möglichkeiten, die in unserem Zeitalter diesbezüglich geboten werden, wundere ich mich deshalb darüber, dass solche Erwachsene, die sich stark über ihre Religionszugehörigkeit definieren, bei Konflikten immer wieder nur Zuflucht bei Gott als Richter, oder beim Teufel als Sündenbock suchen. Wir sollten unsere Probleme in Eigenverantwortung selber lösen, wenn wir uns entwickeln und erwachsen werden wollen! Mohammad, der im Koran als „Barmherzigkeit für die Menschheit“ bezeichnet wird, den Muslime leider nur als den ihren sehen und dadurch andere ausgrenzen, hat mit seinem Wirken vor ca. 1400 Jahren den Grundstein für eine Orientierung gelegt, die jeder, unabhängig von seiner Herkunft, für sein soziales und geistiges Erwachsenwerden nutzen kann.


Seite 20 aus dem Buch Erwachsen wird man nur im Diesseits von Emel Zeynelabidin.

Cover Erwachsen wird man nur im Diesseits Emel Zeynelabidin