Seite 20: Fiona – Der Beginn

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Wenn ich, wie jetzt, nicht richtig entspannt bin, leidet jedes Mal mein Fahrstil darunter. Das bedeutet: Fährt ein normal fahrender Mensch mit 60 durch die Kurve, nehme ich entspannterweise selbige mit 80 und in schlechter Laune mit 120. Nun hat ein tiefergelegter 3er BMW mit 3-Liter-Maschine sicherlich eine recht ordentliche Straßenlage, aber auch dieser Wagen muss sich an die Gesetze der Physik halten.
Andererseits, wer will schon ewig leben? Für ein bisschen Spaß kann man auch schon mal zwei Sätze Reifen verschleißen, während andere nur einen brauchen. Wäre ich altruistisch veranlagt, würde ich darüber nachdenken, dass ich am Steuer eines solchen Autos das Leben meiner Mitmenschen in Gefahr bringen könnte. Aber ich bin es nicht, auch wenn ich vor Schulen und Kindergärten grundsätzlich abbremse. In 5 Jahren habe ich noch keinen einzigen Unfall gebaut. Und darauf bin ich sogar stolz. Nur ob es mein Verdienst oder der meines Schutzengels ist, das konnte ich bislang noch nicht entscheiden.
Ich stelle den Wagen direkt vor dem Haus ab. Nicholas kann ihn wegfahren, wenn er stört, der Schlüssel steckt. Ich schleiche mich am Wohnzimmer vorbei und befinde mich schon halb auf der Treppe, als der Schatten meines Vaters in der mächtigen Tür erscheint.
„Du warst lange weg, Fiona.“
„Bin auch schon lange volljährig, Vater.“
„Schon gut, lass uns nicht darüber diskutieren.“
„Einverstanden, ich gehe schlafen.“
„Ich möchte aber trotzdem mit dir reden.“
„Worüber?“, erkundige ich mich misstrauisch.
„Nicht hier auf dem Flur. Komm bitte in den Salon.“
Ich denke nur kurz darüber nach, genau das nicht zu tun. Dann beschließe ich, so was wie Gehorsam vorzutäuschen und folge ihm. Er ist allein. Mama schläft wahrscheinlich schon. Von der Bar hole ich mir eine Whiskyflasche, die nicht mal halbvoll ist, und setze sie an den Mund.
„Fiona!“
„Was? Du wolltest mit mir reden, oder?“


Seite 20 aus dem Thriller Fiona – Der Beginn von Zsolt Majsai.

Cover Fiona Der Beginn