Seite 20: Fiona – Entscheidungen

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Ich kaue auf meiner Unterlippe rum, allerdings nur kurz, denn James beugt sich zu mir rüber und berührt meine Unterlippe mit dem Mund. Sofort öffne ich meinen Mund und begehre mit der Zunge Einlass. Lächelnd zieht sich James wieder zurück.
„Das sieht zwar sehr sexy aus, wenn du an deiner Lippe rumnagst, aber selbstverletzendes Verhalten dulde ich nicht“, sagt er.
„Arschloch.“ Ich begieße meinen Kummer mit Wein. „Erinnerst du dich an Drol Wayne?“
James schüttelt den Kopf. „Sollte ich? Wer ist das?“
„Nein, solltest du nicht. Aber es hätte trotzdem sein können. Er war damals, vor zwei Jahren, nachts an meinem Bett und hinterließ mir seine Visitenkarte.“
„Ich erinnere mich“, sagt James nickend.
„Ich habe ihn heute, vorhin, getroffen.“
„Aha. Muss ich eifersüchtig sein?“
„Auf Drol Wayne? Nein, eher nicht.“ Ich kriege einen Lachkrampf, verschütte das halbe Glas und brauche eine Weile, um mich wieder zu beruhigen. Danach schenkt mir James neuen Wein ein und hält mir das Glas hin.
„Nächstes Mal gib mir das Glas erst, okay?“
„Ja, okay, mein Schatz.“ Ich nehme einen großen Schluck. „Drol Wayne behauptet, der Statthalter Gottes auf der Erde zu sein.“
„Aha.“
„Ja, so ging es mir auch. Dann erzählte er noch, ich sei eine Kriegerin. Ich hätte mich vor der Zeugung dafür entschieden, um auf diese Weise mit für das Gleichgewicht zu sorgen.“
„Für das Gleichgewicht von was?“
„Das konnte er mir leider nicht so ganz genau sagen. Ich nehme an, irgendwie für das Gleichgewicht zwischen gut und böse. So ähnlich jedenfalls.“
James mustert mich nachdenklich. „Was denkst du?“
Ich seufze. „Ich kann ihn leider nicht nicht ernst nehmen. Dazu wusste er zu viel über mich. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll. Ich meine, was vor zwei Jahren passiert ist, das geht doch eigentlich darüber hinaus, was eine 23jährige tun könnte. Oder?“


Erster und letzter Satz aus dem Fantasy-Roman Fiona – Entscheidungen von Zsolt Majsai.

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