Seite 20: Fiona – Leben

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Ich starre meinen Vater entgeistert an. „Wieso sollten sie das glauben? Sie glauben ja nicht einmal viel leichter zu verdauende Sachen, zum Beispiel die einfache Tatsache, dass jeder Mensch selbst denken darf.“
„Das ist zynisch“, stellt meine Mutter fest.
„Ach was. Ich und zynisch?“ Ich setze Sandra auf meinen Schoß, so kommt sie nicht an meine Haare dran. Komisch, wie weh das tun kann, wenn so ein Kind an den Haaren zerrt. Einer Fortsetzung der lästigen Diskussion entgehe ich zum Glück, Danny und, mit etwas Verspätung, James stürmen das Wohnzimmer. Ich bringe Sandra vor Danny in Sicherheit und kriege dafür die Zungenküsse ab. Zum Ausgleich auch den Kuss von James. Einen Kuss. Einen zweiten bekommt Sandra.
„Bleibt ihr zum Abendessen?“, erkundigt sich mein Vater.
„Nein, heute nicht. Vielleicht morgen?“, schlage ich vor, bevor mein geliebter Ehemann reagieren kann.
„In Ordnung, morgen bei uns. Gegen acht?“
Wir einigen uns auf acht Uhr, dann gehen wir rüber in unser Heim. Während James ein kleines Abendessen zubereitet, bade ich Sandra und bringe sie danach ins Bett.
Ich ziehe mich aus, stopfe alles in die Schmutzwäsche und streife ein T-Shirt über. James zieht kurz eine Augenbraue hoch, als er das sieht, enthält sich aber eines Kommentars.
Beim Abendessen schweigen wir uns an. Ab und zu mustert James mich und sieht fast so aus, als wollte er was sagen. Aber nur fast. Ich setze mich danach auf die Couch und mache den Fernseher an. James kommt einige Minuten später mit einer Flasche Wein nach, öffnet sie routiniert, schenkt in zwei Gläser ein und reicht mir eins, während er sich neben mich setzt.
„Wie war dein Auftrag?“


 

Seite 20 aus dem Buch Fiona – Leben von Zsolt Majsai.
Cover Fiona - Leben