Seite 20: Hölle und Freiheit

Seite 20

Auf halbem Weg bin ich mit dem Rad gestürzt und
genau auf meinen schwangeren Bauch gefallen.
Ich hatte Angst, dass dem Kind in meinem Bauch
etwas passiert wäre. Ich lag da, die Leute haben
mich gesehen, aber niemand hat geholfen. Mühsam
rappelte ich mich wieder auf und fuhr nach
Hause. Dort gab es natürlich wieder Stress.

Jochen schrie mich an, wo ich so lange gewesen
sei. Ich hatte Angst um mich und meinen Sohn
und natürlich auch um das Kind im Bauch, da ich
damit rechnen musste, dass er zuschlagen würde.
Und wirklich hat er mich geschlagen. Ich schrie
ihn an „Schlag’ doch, was anderes kannst Du ja sowieso
nicht.“ Am anderen Tag hat er sich entschuldigt
und gesagt, es käme nicht wieder vor und ich
habe es ihm geglaubt.

Aber das hielt nicht lange an. Es war an einem
Tag während der Fußballweltmeisterschaft. Jochen
hatte ein paar Leute eingeladen, um gemeinsam
Fußball zu kucken, ich wusste nichts davon,
da ich bei der Arbeit war. Ich hatte eine Arbeit
angenommen, um etwas Geld zu verdienen, denn
mein Ehemann war ja nicht in der Lage dazu, ihm
war der Alkohol wichtiger. Jochen wollte mich von
der Arbeit abholen und das tat er auch. Er kam mit
einem Auto, das ich nicht kannte, außerdem besaß
er keinen Führerschein.


Seite 20 aus dem biografischen Buch Hölle und Freiheit von Corinna Janetzky.

Hölle und Freiheit Corinna Janetzky