Seite 20: Ich bleibe solo – Erfahrungen mit dem Glück

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Na ja“, meinte ich dann noch, „kleiner als ich sollte er vielleicht
nicht sein, und einen sehr dicken Bauch oder eine Glatze
fände ich auch nicht so attraktiv.“ Außerdem wünschte
ich mir einen etwa gleichaltrigen Partner. Mein Mann
war ein Jahr jünger gewesen als ich, und ich war stets
auch mit jüngeren Leuten befreundet. Einen wesentlich
älteren Lebensgefährten konnte ich mir nicht vorstellen.

Frau Fröhlich notierte das alles und legte dann den Fragebogen
in ihre Mappe. „Sie müssen aber ungefähr drei
Wochen Geduld haben“, sagte sie und erklärte mir, dass
meine Angaben zunächst einmal im Büro ausgewertet
und in die Kartei übertragen würden. Danach erst könne
man einen zu mir passenden Herrn auswählen und ihn
mit mir bekannt machen. Aber in spätestens drei Wochen
würde ich einen meinen Wünschen entsprechenden Partnervorschlag
erhalten, versprach sie in ihrer überzeugenden
Art, an der es nichts zu zweifeln gab.

Dann wollte sie natürlich den Beitrag kassieren, und
ich gab ihr einen Scheck über 420 EUR. Was ich dafür
jedoch im Laufe dieses einen Jahres bekommen habe –
oder vielmehr nicht bekommen habe – das war das viele
Geld nicht wert. Wenn ich an das angeblich so vielfältige
und interessante Freizeitprogramm denke – in Wirklichkeit
war es dürftig, und das, was angeboten wurde, endete
in einem Fiasko. Auch auf einen Partnervorschlag habe
ich vergeblich gewartet. Allerdings bin ich um einige Erfahrungen
reicher geworden. Nachdem Frau Fröhlich mir
eine Quittung ausgestellt hatte, versprach sie, die Mitgliedskarte
und das Freizeitprogramm für das laufende
Quartal in den nächsten Tagen per Post zu schicken. Sie
verabschiedete sich freundlich und ging.

Ich blieb etwas benommen zurück. Jetzt war ich also
doch auf Partnersuche gegangen. „Nun steh auch dazu“,
sagte ich mir, „keine halben Sachen!“


Seite 20 aus dem Buch Ich bleibe solo – Erfahrungen mit dem Glück von Ellinor Wohlfeil.

Ich bleibe solor Ellinor Wohlfeil