Seite 20: Im Bann der Omerta

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»Aber stell’ dir vor, die Besitzer haben es bereits an ein Team aus Japan vermietet,
das Werbeaufnahmen machen will. Ich gehe jetzt zur
Touristinformation und frage nach einer anderen Unterkunft,
denn schließlich brauchen wir mit unserem ganzen Equipment
eine Menge Platz. Wir treffen uns auf der Piazza della
Cisterna, vielleicht weiß ich dann schon mehr!«

»Na, das fängt ja gut an.« Aber trotz der fehlenden Unterkunft
wollte sich Carolina die Aussicht auf »ihr« San Gimignano
nicht nehmen lassen. Der Blick über die Wein- und
Olivenberge auf das »Manhattan des Mittelalters« in der
Abendsonne faszinierte sie immer wieder.

Knapp eine Stunde später traf sie einen gefrusteten Peter
mit dem Team auf der Piazza della Cisterna in San Gimignano.
Sie berieten sich bei einem Cappuccino und beschlossen,
einzeln auf die Suche zu gehen und sich spätestens in zwei
Stunden wieder hier zu treffen. Ohne Aussicht auf ein Haus
wurde beratschlagt, wo sie unterkommen und vor allem, wo
sie ihre Ausrüstung unterbringen konnten. Carolina überlegte.
Irgendwo musste doch in San Gimignano eine Bleibe zu
finden sein! Nachdenklich stand sie auf und ging ins Café, um
die Rechnung zu bezahlen. Am Tresen sprach sie den Kellner
an. »Ich möchte bitte bezahlen.«

»Einen Moment bitte. Ich komme gleich.«

Carolina wunderte sich, dass der Kellner sie auf Deutsch
ansprach. »Wieso sprechen Sie so gut Deutsch?« Sie musterte
ihr Gegenüber. Er hatte lange, blonde Haare, die zu einem Zopf
gebunden waren. Seine Statur war groß und kräftig, seine
braunen Augen sahen sie freundlich an.
»Na ja, es gibt bekanntlich ›Badische un
d Unsymbadische‹«, grinste er schelmisch. »Und ich bin halt ein Badischer. Wenn
man lange in Mannheim gelebt hat, ist das unvermeidlich,
selbst als Italiener«, lachte der Kellner. »Ich habe dort das Gastronomiefach
gelernt. Aber die Toskana hat mich nicht losgelassen.
Also zog es mich wieder zurück. Ich habe es nie bereut,
aber meine badische, zweite Heimatstadt fehlt mir schon sehr.
An Ihrer Sprache habe ich gehört, dass sie auch aus der Ecke kommen müssen.


Erster und letzter Satz aus dem Krimi mit Regionalkolorit Im Bann der Omerta von Heiderose Teynor.