Seite 20: Isabellas Welt

Seite 20

Alla turca

Isabella saß in ihrem Zimmer und wollte an ihrem Geburtstagsständchen
arbeiten, aber das war vollkommen unmöglich.
Von rechts drang Tristans Klarinette durch die Wand – er beherrschte
noch nicht mehr als Tonleitern, diese allerdings nicht
nur auf-, sondern auch abwärts. Immerhin! In eine Klarinette
konnte man nämlich nicht einfach so leicht hineinblasen wie in
eine Blockflöte. Isabella hatte es ausprobiert – außer einem Lufthauch
war kein Ton herausgekommen.
 
Von links tönte Mareens Geige. Zum Wahnsinnigwerden war
das! Kurz entschlossen packte sie Notenheft, Block, Bleistift und
Radiergummi in ihre Schultasche und verzog sich damit in den
Keller. Dort war es zwar kalt und feucht, aber außer dem Tuckern
der Wasserpumpe hörte man nichts, und die lenkte sie
wenigstens nicht von Mozarts Kleiner Nachtmusik ab.
 
Sie hievte einen Plastikgartenstuhl vom Stapel und setzte
sich. Die Schultasche auf ihrem Schoß war als Schreibunterlage
ganz gut zu gebrauchen.
 
Zunächst notierte sie die vollständige Melodie der Kleinen
Nachtmusik, vier Takte pro Reihe. Das dauerte bei ihr nicht einmal
zehn Minuten.
 
Jetzt radierte sie jede zweite Reihe aus und schrieb die Noten
gespiegelt, also von hinten nach vorn auf, so, wie es ihr auf dem
Heimweg eingefallen war. Klang doch lustig. Und prompt kamen
ihr auch schon Reime in den Sinn, die sie für das Geburtstagslied
verwenden konnte: Bauer auf schlauer, Held auf Feld,
Nachbar auf machbar, Mühe auf Kühe – Dichten war wirklich
ziemlich einfach. Zum Spaß sang sie:

 


 

Seite 20 aus dem Jugendroman Isabellas Welt von Christian Oelemann.

Isabellas Welt Christian Oelemann