Seite 20: Klosterrauschen

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Ich sitze, wie jeden Abend, auf Onkel Theophils Schoß. Das
wäre eigentlich ganz gemütlich, wenn da nicht so etwas Hartes
an meinem Po zu fühlen wäre. Ich habe ihn mal gefragt, was das
sei, und er erwiderte, das sei ein Stück Holz aus dem Kreuze Jesu
Christi, wie es alle Priester hätten, die Gott ganz besonders liebt.
Habe dann nicht weiter nachgefragt. Dass er mich da drauf hin- und
herschiebt, macht es nicht schöner. Manchmal ist das Stück
vom Kreuz auch nicht zu spüren. Wahrscheinlich hat er es dann
irgendwo versteckt. Immer trägt er es jedenfalls nicht bei sich.

Seine Hand streichelt unter meinem Nachthemd meine Beine,
meinen Bauch und auch öfter meinen Penis. Die Hand ist
aber schön warm und es tut ja nicht weh. Es ist sogar angenehm.

Schon seit Wochen wohne ich bei meinem Onkel im Kloster.
Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hat er mich mit
hierher genommen. Ich war froh, als ich dort endlich rauskonnte,
obwohl die Schwester immer sehr lieb war. Nach und nach
hat sie mir alles von dem Unfall erzählt. Sie weinte meistens dabei
und nahm mich in den Arm. Papa, Mama und Lu wären
jetzt im Himmel beim lieben Gott, erzählte sie mir. Dort hätten
sie es gut und würden von dort oben immer auf mich aufpassen.
Onkel Theophil erzählte das etwas anders. Sie seien noch nicht
im Himmel, sondern im Fegefeuer und müssten dort für meine
Sünden leiden, weil ich das Geheimnis verraten hätte.


Seite 20 aus dem Missbrauchsroman Klosterrauschen von Dr. Johannes Sieben.

Cover Klosterrauschen von Joannes Sieben