Seite 20: Neukölln ist nirgendwo

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+++ Neukölln und ich +++

„Hier wohnen nur Deutsche, bei uns im Haus!”

Es ist Frühling, die Sonne scheint, ein Samstag
im April 2003. Ich bin erst seit einigen Tagen in
Berlin, in der „großen, gedrängten Stadt“, wie es
Arthur Schopenhauer einst formuliert hat.

Allerdings kommt mir Berlin nicht besonders
„groß und gedrängt” vor ‒ unruhig schon eher ‒
vielleicht deshalb, weil ich gerade aus London ‒
nach einem Zwischenstopp in Hamburg ‒ hierher
gezogen bin. Meine erste Unterkunft ist eine
1-Zimmer-Wohnung in Neukölln, Ecke Boddinstraße.
Für einen Monat habe ich die Wohnung
gemietet, von dem Bruder einer Bekannten, der in
dieser Zeit zu seiner Freundin gezogen ist.

In diesem Zeitraum muss ich eine eigene Wohnung
gefunden haben. Deshalb stehe ich jetzt
hier, vor diesem Mietshaus aus wilhelminischer
Zeit, dessen Putz von den Wänden bröckelt. Das
Haus befindet sich nur einige Gehminuten von der
S-Bahnstation Hermannstraße entfernt.


Seite 20 aus Ramon Schacks Antwort an Buschkowsky: Neukölln ist nirgendwo.