Seite 20: Spanische Dörfer – Wege zur Freiheit

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„Wie wird man Polizist?“, fragte er, und als die zwei ihn ziemlich erstaunt ansahen, begann er ausführlich über die wirtschaftliche Situation in Spanien zu referieren, über die Folgen, die diese für junge Menschen im Allgemeinen und für ihn im Besonderen mit sich brachte. „… Und als ich Sie nun eben hier vorbeikommen sah, habe ich mich gefragt, ob das nicht vielleicht auch ein Beruf für mich wäre. Wie werde ich Polizist?“

Als Enrique meinte, La Marche wäre nun weit genug gekommen, dass sie, selbst wenn der Polizist mit dem Fernrohr Verdacht geschöpft hatte, nicht mehr einzuholen wäre, bedankte er sich höflich für die Auskunft der immer noch etwas irritierten Uniformträger, die es nicht gewohnt waren, am Strand mit derartigen Fragen geradezu überfallen zu werden. Er würde darüber nachdenken, es hätte ihm gut gefallen, was sie ihm erzählten. „Vielen Dank noch mal.“ Mit diesen Worten ging er zurück zu seinem Liegeplatz im Sand.

Zu gerne wäre Enrique der Frau aus dem Meer hinterhergelaufen, aber er wollte sie nicht gefährden und außerdem war sie ja hoffentlich sowieso schon viel zu weit weg. So blieb er noch eine Weile liegen und machte sich dann auf den Weg nach Hause. Als er seine sieben Sachen zusammenpackte, lag mitten darin ein kleines geflochtenes Armband. Sie musste es wohl verloren haben. Enrique befestigte das Band an seinem Handgelenk. Er erzählte niemandem von dieser Begegnung am Strand, aber er vergaß sie niemals.


Seite 20 aus dem Roman Spanische Dörfer – Wege zur Freiheit von Maria Braig.

Spanische Dörfer