Seite 20: Verdächtige und andere Katastrophen

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Die eisgekühlte Flüssigkeit
rann durch seine Kehle und ließ die Gläser seiner
speziellen Sonnenbrille beschlagen. Sein Kopf arbeitete
auf Hochtouren. Sein empfindlicher Magen
rebellierte. Den Schädel über die Kloschüssel gebeugt,
sinnierte er: Seine Leidenschaft, sich vorwiegend
zur Abendstunde im Wald aufzuhalten, war
ihm unwiderruflich zum Verhängnis geworden.
Seine „Waldtauglichkeit“ hatte er unzählige Male
unter Beweis gestellt. Er wollte alles und nichts.
Ständig war er auf der Suche nach dem ultimativen
Kick. Bei seinen haarsträubenden, nächtlichen Unternehmungen
trug er stets einen Tarnanzug, um
sich der Landschaft anzugleichen. Der Weg war
ihm so vertraut, dass er sogar auf eine Taschenlampe
verzichten konnte. Mehr noch, er fand ihn selbst
mit geschlossenen Augen. Er hatte es schon häufig
ausprobiert. Aus reiner Experimentierfreude hatte
er sich die Augen verbunden und war jedes Mal
problemlos ans Ziel gelangt. Mittlerweile war er so
geübt, dass er die Strecke mit verbundenen Augen
und im Laufschritt bewältigen konnte, ohne einen
nennenswerten Ausrutscher. Jenen Wald betrachtete
er als sein Eigentum, besonders das Teilstück,
wo er gewöhnlich sein Unwesen trieb. Hier war er
der unumstrittene Herrscher. In seinem Kopf waltete
totales Chaos. Erschöpft von dem Aufbegehren
seines Magens, stützte er sein Kinn auf den kühlen
Toilettenrand.


Seite 20 aus dem satirischen Krimi Verdächtige und andere Katastrophen von Susanne Ulrike Maria Albrecht.

Verdächtige und andere Katastrophen