Zitiert: Fiona – Leben (Band 5)

Katharina folgt mir. „Wo willst du denn hin, Fiona?“
„Mir den Dolch wiederholen. Der sollte nicht in die falschen Hände geraten. Ich hoffe jedenfalls, dass Garoan ihn nicht mitgenommen hat.“
Wir haben Glück und finden den Dolch in seinem Büro. Nach kurzer Suche entdecken wir ihn in einer der Schubladen von Garoans Schreibtisch, weit hinten. Ich schiebe ihn in meinen Gürtel, dann gehen wir ins Foyer. Hier werde ich von John begeistert in die Arme genommen.
„Ich bin ja so froh, dass es euch gut geht!“, ruft er.
„Ja, bin ich auch“, erwidere ich grinsend. „Aber warum hast du so lange gebraucht, um uns zu retten?“ Und als ich seinen entgeisterten Gesichtsausdruck sehe, füge ich schnell hinzu: „Das war ein Scherz! Mann!“
„Dann ist ja gut.“ Er grinst zurück. „Bei dir weiß man es ja nie.“
Ich beschließe, darauf nicht weiter einzugehen. Keine Ahnung, wieso neuerdings alle auf mir rumhacken. Habe ich mich echt so verändert? Ich verscheuche diese Gedanken und begrüße Nasnat, der mir kurz die anderen zwei Zauberer vorstellt. Sie gehören alle magicus praetorium an. Ansonsten sehen sie völlig harmlos aus, genau wie Nasnat.
Oder wie ich.
Hm.
Während ich mich noch mit Nasnat unterhalte, legt sich von hinten eine gewaltige Pranke auf meine Schulter, und als ich mich umdrehe, blicke ich in Croswos dunkles Gesicht.
„Oh, oh!“
„Was ist?“, fragt er. „Ein bisschen mehr Dankbarkeit darfst du schon zeigen!“
„Dankbarkeit?“ Ich blicke von ihm zu Nasnat und wieder zurück.
„Das meinst du! Wir haben im Interesse des Weltfriedens unser Kriegsbeil vorübergehend begraben.“
„Okaaay …“ Ich sehe Nasnat an, dass er es etwas anders sieht, aber er hält sich wohltuend zurück. Überhaupt wirkt er ziemlich reserviert und ich frage mich, woran das liegen mag. An mir, an Croswo oder an etwas ganz anderem? „Und für wessen schöne Augen hast du dich denn an dieser Aktion beteiligt, lieber Croswo?“
Croswo starrt mich an. „Nicht für deine“, antwortet er schließlich und geht weg.
„Faszinierend, deine Art, Freundschaften zu pflegen“, stellt Nasnat fest.
„Das sagt der Richtige!“ Nach einem Moment füge ich hinzu: „Übrigens, danke für die Rettung. Und ich würde mich gerne mit dir unterhalten.“
„Brauche ich Lendenschutz?“
„Was? Ach so, nein, scheiße, natürlich nicht!“ Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll und entscheide ich mich für ein neutrales Grinsen. Dann gehe ich zur Bar. Niemand da zum Bedienen, also springe ich kurzerhand über die Theke und blicke Nasnat fragend an.
„Wein. Rot und trocken.“
Ich stelle ihm ein Glas hin, dann öffne ich mehrere Schränke, bis ich den richtigen finde. Die Weine sind nicht sehr hochpreisig, aber einigermaßen gut. Ich öffne eine Flasche Bordeaux und schenke dem Zauberer ein. Mir selbst mache ich einen Scotch on the Rocks fertig.
Nasnat hält sein Glas hoch und nimmt einen Schluck.
„Also, worüber willst du dich mit mir unterhalten?“
„Sagt dir der Name Gald was?“
Seine Miene verdüstert sich plötzlich. „Ja. Wieso?“
„Garoan behauptet, ein direkter Nachfahre von ihm zu sein.“
„Also ist er ein Noisped. Sehr schön.“
„Und was bedeutet das?“
Er zuckt die Achseln. „Keine Ahnung. Was will er denn?“
„Den Spiegel“, antworte ich langsam.
„Hm.“ Nasnat nippt an seinem Wein. „Wen will er befreien?“
„Befreien?“
„Du weißt doch hoffentlich noch, wofür der Spiegel genutzt werden kann?“
Ich nicke. „Schon. Aber wen könnte er befreien wollen?“
„Es gibt durchaus mächtige Wesen, die in Verbannung leben.“
„Wie der Krumana-Dämon?“
„Zum Beispiel.“
„Wen noch?“
„Wie soll ich das denn wissen? Du hast dich doch mit ihm unterhalten.“
„Er hat es mir nicht verraten.“
„Und hat er was darüber erzählt, was er überhaupt will?“
„Ja. Die Weltherrschaft.“
Nasnat zieht die rechte Augenbraue hoch. „Geht es etwas genauer?“
„Nein. Er laberte was von einem großen Krieg und dass sie wieder stark genug sind, diesmal aber nicht scheitern werden … was ist denn?“
Nasnat sieht aus, als würde er gleich umkippen. Ich glaube, ich sollte mir doch mal Sorgen machen. Wenn einer wie der so nervös wird, dann ist das bestimmt kein gutes Zeichen.
„Er hat den Großen Krieg erwähnt?“
„Heißt der so? Dann hat er ihn erwähnt. Was hat es denn damit auf sich?“
„Das willst du nicht wissen.“
„Doch! Will ich!“
„Vielleicht später mal. Fiona, es ist sehr, sehr wichtig, dass Garoan den Spiegel nicht bekommt. Hast du ihm etwas darüber erzählt, wo er ist?“
„Natürlich nicht! Was denkst du denn von mir?“
„Willst du das wirklich wissen?“
Boah, dieses Arschloch! Ich atme tief durch und beuge mich über den Tresen. „Nasnat, das meinst du nicht ernst! Hab ich dir wirklich Gelegenheit gegeben, mich für dämlich zu halten?“
„Also gut, ich gebe zu, dass du zwar chaotisch und irre bist, aber sicher nicht blöd. Weißt du denn auch, warum ihr gefoltert wurdet?“
„Er wollte wissen, wo sich der Spiegel befindet“, erwidere ich düster.


Aus dem 5. Band der Fiona-Serie: Fiona – Leben von Zsolt Majsai.

Fiona Leben